Flughafen sollte infiltriert werden

PROZESS. Im spektakulären Gerichtsverfahren gegen das organisierte Verbrechen nennen Zeugen den Airport Niederrhein.

KREIS KLEVE. Er gerät immer wieder in die Schlagzeilen - der Flughafen Niederrhein. Aktuell berichten niederländische Medien, dass es Pläne für einen Drogenumschlagplatz gab. Zeitungen wie das NRC Handelsblad und Vrij Nederland berufen sich auf Aussagen von Bram Zeegers, Ex-Anwalt von Willem Endstra. Er ist einer der Zeugen in dem spektakulären Prozess gegen Willem Holleeder, der an der Entführung des Biermagnaten Heineken beteiligt gewesen sein soll.

Der Flughafen Niederrhein sei nicht der einzige, an dem das organisierte Verbrechen versucht habe, die Luftfahrt zu infiltrieren, ist im NRC zu lesen. Erst 2006 seien zwei Direktoren von Air Holland wegen Drogengeldwäsche verurteilt worden. Der niederländische Kriminologe Henk Ferwerda findet es plausibel, dass Kriminelle Interesse am Flughafen Niederrhein hatten, schreibt das Handelsblad. Studien und Untersuchungen hätten laut Ferwerda ergeben, dass logistische Knotenpunkte wie der Flughafen Niederrhein für das organisierte Verbrechen von großem Interesse seien.

Dass Drogen via Airport Niederrhein geschmuggelt werden sollten, hat Haiko Endstra, Bruder von Willem, bestätigt. Nicht nur das: Nach NRZ-Recherchen hat er niederländischen Journalisten gegenüber eingeräumt, dass sowohl der Flughafen in Weeze als auch die Airline V-Bird, die ab Weeze startete und bekanntlich nach einem Jahr Insolvenz anmeldete, indirekt in Händen seines Bruders Willem waren.

Zur Erinnerung: Ex-Flughafengeschäftsführer Hans van de Lande hatte in der Anfangsphase Immobilienhändler Willem Endstra mit ins Boot geholt. Wegen des Verdachts der Drogengeldwäsche und der Exklusiv-Berichterstattung in der NRZ gerieten Politik und van de Lande unter öffentlichen Druck. Sie trennten sich 1999 von Endstra. Von seinem Konto sollen auch nach seinem Tod - Endstra wurde 2004 vor seinem Büro erschossen - Millionen Euro auf das Flughafenkonto geflossen sein.


03.04.2007 GABY BOCH